CLOUD FESTIVAL

 

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Cloud Festival: Abschlusskonzert in Peking

 

CLOUD FESTIVAL | MDW – UNIVERSITÄT FÜR MUSIK UND DARSTELLENDE KUNST WIEN CCOM – CENTRAL CONSERVATORY OF MUSIC (PEKING)

„If you do not know the political and social development, the whole development trend and situation, what are you talking about?“ – Yu Feng, CCOM

Das Cloud Festival fand von 7. bis 10. November 2021 als Kooperation der mdw (Wien) und dem CCOM (Chinese Conservatory of Music, Peking) als Hybrid-Format statt. Gerahmt von zwei Konzerten, dem Eröffnungskonzert im Wiener Konzerthaus mit dem Pianisten Lang Lang und dem Abschlusskonzert in der CCOM Opera Concert Hall, unter anderem mit einem Werk von Qin Wenchen, gab es eine Vortrags- und Gesprächsreihe in Kooperation mit dem Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (IKM) der mdw. Außerdem unterrichteten Yu Feng (CCOM) und Christopher Hinterhuber (mdw) über Zoom jeweils Studierende der anderen Universität. Als Austauschformat von Musikschaffenden zwischen den beiden Universitäten sowie zwischen den beiden Ländern zeigte das Cloud Festival gemeinsame zeitgenössische Herausforderungen auf und entwarf nicht nur neue Austauschformen, sondern auch explizit in der Pandemie situierte Kommunikation und Lehre.

Wegen der Covid-19-Pandemie musste das Festival hybrider stattfinden als geplant, doch sahen die Teilnehmenden dies auch als Chance; vom kleineren ökologischen Fußabdruck, der beim internationalen künstlerischen Austausch sehr hoch sein kann, zu neuen digitalen Unterrichtsmethoden – die auch direkt erprobt wurden. Die Disruption der Pandemie brachte auch viele lange ignorierte Fragen ins Rampenlicht; etwa den Fair-Pay-Diskurs oder, wie Yu Feng anmerkte, die Chance, die Vermittlungsorganisation für internationale Auftritte und den Austausch chinesischer Künstlerinnen und Künstler zu professionalisieren.

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Online-Unterricht über Tausende Kilometer Entfernung mit Christopher Hinterhuber (c) Stephan Polzer/mdw

 

 

Li Xincao, Direktor des China National Symphony Orchestra, wies in seinem hybriden Talk dennoch darauf hin, dass ein Orchesterbesuch in einem akustisch darauf ausgerichteten Gebäude für ihn durch nichts ersetzt werden kann. Außerdem sprach er an, dass Musikerinnen und Musiker in China durch die Pandemie zwar Einkommenseinbußen hinnehmen mussten, wegen der staatlichen Anstellungsverhältnisse mussten sich die Musiker*innen aber zu keinem Zeitpunkt der Pandemie Sorgen um ihre finanzielle Sicherheit machen. Im internationalen Austausch kam er allerdings mit, dass Verträge in anderen Ländern nicht mehr verlängert wurden und von einem Tag auf den anderen Honorare wegfielen.

„Menschen haben während der Lockdowns daheim zu musizieren begonnen, auf Balkonen gesungen, aus ihren Wohnzimmern per Video gestreamt. Sie haben in der Isolation durch Musik eine Verbindung zu anderen Menschen aufgenommen, somit in der belastenden Zeit des „social distancing“ mit den Mitteln der Musik soziale Nähe geschaffen!“ – Ulrike Sych, mdw

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Dagmar AbfalterKatharina Pfennigstorf und Yao Yao im Gespräch über Kulturmanagement 

 

Beide Universitäten bieten Kulturmanagement-Kurse und Studien an; diskutiert wurde die Geschichte des Kulturmanagements, die Ableitung der Notwendigkeit und Vorteile des Kulturmanagements sowie insbesondere die spezifisch aktuellen Anforderungen und Herausforderungen. Ein Kernpunkt der Anforderung an das Kulturmanagement, der in den chinesischen und österreichischen Beiträgen klar geteilt wurde, war die Anforderung, dass, wie Katharina Pfennigstorf im Gespräch mit Yao Yao und Dagmar Abfalter anmerkte, nichts „im luftleeren Raum [stattfindet], es dockt etwas an“ – eine interdisziplinäre, zeitspezifische Herangehensweise ist erforderlich, um allen Bedürfnissen, die an das Kulturmanagement gerichtet sind – seien sie künstlerischer oder wirtschaftlicher Natur –, gerecht zu werden. Wie Yu Feng anmerkt: „Wer bist du, wenn du nicht über die künstlerischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen redest?“ Auch in der Wiener Gesprächsrunde war die Schlussfolgerung, dass Aspekte wie die Betriebswirtschaftslehre zwar kurzfristig für Absolvierende am hilfreichsten scheinen würden, aber dass alle Ebenen gleichermaßen in die Arbeit einfließen und für den Erfolg relevant sind, „aber dass man [das] nie so greifbar machen kann“.

Li Xincao erzählte humoristisch wie er bei einem Studienaufenthalt in Wien der 1990er die Einbahnschilder für Straßennamen hielt, und sich daher recht schnell verlaufen hat. Wenn das Cloud Festival eines gezeigt hat, dann dass es sich mit dem durch neue Technologien gestützten Austausch nicht um Einbahnstraßen handeln wird.

Samuel Obernosterer

Der Artikel erschien erstmals auf www.musicaustria.at.

Eine Kooperation mit mica – music austria.

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